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Lesestoff Empfehlungen

Wenn es draußen November ist und die Tage kürzer werden, erhöht sich die Anziehungskraft des Sofas umgekehrt proportional zur Anzahl der Tageslicht Stunden… will sagen, zu Hause gammeln und lesen scheint mit einem Mal viel attraktiver, als draußen durch Regen und Wind zu stapfen. Auf dem Sofa liegend ergeben sich nun verschiedenste Möglichkeiten des Zeitvertreibs: zum einen wäre da die mutwillige Vernichtung von Gehirnzellen durch Fernsehschauen eines x-beliebigen deutschen Senders (außer arte… aber die sind ja auch halb französisch!). Zweitens bietet sich zum Training der Reflexe und einiger Hirnregionen das Wii Spielen an… wobei ich hier nichts über die Vernichtung von Gehirnzellen zu sagen weiß. Drittens ist jedoch der universellste und beste Zeitvertreib: ein Buch lesen. “Ein was lesen?” höre ich einige fragen, ja genau, das Ding aus Papier, was Euch Eure Eltern immer zu Weihnachten schenken und ihr fälschlicherweise für Regal Dekoration haltet.

Jedenfalls sind Herbst- und Winterzeit traditionell auch meine lesestärksten Monate und ich habe hier einmal zusammen getragen, was ich in den letzten Tagen und Wochen gelesen und teilweise verschlungen habe. Alle samt unbedingt auch als Leseempfehlung zu verstehen, ich schreib ja schließlich nix über schlechte Bücher!

Kill your friends Kill Your Friends von John Niven wurde mir von Thomas ausgeliehen mit dem Hinweis “Was für ein krasses Buch, das musst Du unbedingt lesen!” … womit er Recht behalten sollte. Das Buch lässt sich mit einem Satz zusammenfassen, der auch freundlicher Weise direkt auf dem Buchrücken abgedruckt ist: “Der American Psycho des Musik Business!” Erzählt wird die Story eines A&R Managers eines großen Plattenlabels, der mit den Widrigkeiten seines Alltags (bestehend aus Koks, Frauen und Musik) und unliebsamen Kollegen klar kommen muss. Als er bei der anstehende Beförderung übergangen wird, seine Künstler keinen Erfolg einfahren und die Kohle knapp wird, rastet er komplett aus. Das Buch ist nichts für zart besaitete, jedoch für jeden, der American Psycho verschlungen bzw. den Film vergöttert hat und bei Pulp Fiction auch nach dem 10. Mal noch feiert. Ich habe bei Kill Your Friends mehrfach herzlich gelacht und mich über die Realitätsnähe der Story gefreut. Großes Kino!

Coma Nachdem ich Kill Your Friends verschlungen hatte, habe ich direkt nach weiterem Stoff von John Niven gesucht und bin mit Coma fündig geworden. Coma erzählt die Geschichte zweier Brüder: einer ist ein gewöhnlicher Mittelklasse Typ: Kleines Häuschen, solider Job, Frau, die ihn betrügt, und als einziges Hobby: Golf – dass er leider auch noch sehr schlecht spielt. Bei einem Golfunfall wird er von einem Ball an der Schläfe getroffen und spielt fortan wie ein junger Gott Golf. Einziger Nachteil, der Kurzschluss seiner Synapsen aktivierte nicht nur sein sportliches Talent, sondern sorgte auch für einen Ausbruch des Tourette Syndroms. Der Leser erlebt nun einen begnadeten Golfer, der schlimmer flucht als ein Schwarm Rohrspatzen… ich kann Euch nicht sagen, wie oft ich schallend aufgelacht habe. Nicht nur, dass das Buch mein Vokabular an verfügbaren Flüchen um einige Hundertschaften erweitert hat und mir dabei enormes Wissen zum Thema Golf beschert hat, mich haben die 400 Seiten so sehr gefesselt, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen förmlich inhaliert habe.

Ökonomics Ökonomics kommt zwar inhaltlich aus der gleichen Richtung wie Freakonomics, hat aber wohl nur deshalb einen ähnlich klingenden Titel, um ein entsprechendes Zielpublikum anzuziehen. Im englischen heißt das Buch “The Undercover Economist”, was der ganzen Sache auch etwas näher kommt. Tim Harford, seines Zeichens Kolumnist der amerikanischen Financial Times, erklärt unglaublich gut und verständlich warum es bei Starbucks verschiedene Preismodelle für den eigentlich doch gleichen Kaffee gibt, warum der Kauf von Gebrauchtwagen quasi IMMER ein Verlustgeschäft ist und eigentlich nahezu immer in Betrug endet und wieso chinesische Arbeiter nicht wirklich heimische Arbeitsplätze bedrohen. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich nur ansatzweise für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert und auch gern mal den plakativen Mist, der uns von den klassischen Medien vor die Nase gesetzt werden.

Die Männer vom Meer Die Männer vom Meer von Konrad Hansen wurde mir von einem Teammate empfohlen, der darauf verwies, dass jedes Nordlicht, ob hier geboren oder zugezogen, sich mit der Geschichte der Wikinger auskennen müsse. So erzählt das Buch die Geschichte des Björn Hasenscharte, den der Leser als Sklave kennen lernt und ihm dann auf seinen Abenteurn durch Nordeuropa folgt. Dabei lernt man unglaublich viel über die Könige und Helden von damals, ihr Leben und Wirken, die Macht der Wikinger und die Furcht vor Hexen und Priestern. Ein absolut fesselnder Roman, der die Grenzen zwischen geschichtlichen Fakten und Romanerzählung wunderbar zu vermischen weiß. Zudem hat Hansen einen wirklich mitreißenden Schreibstil, der mich das Buch oft nur widerwillig aus der Hand legen ließ.


Ich muss mal wieder ein Buch auf Deutsch lesen!

Seit ein paar Jahren lese ich quasi jedes Buch in Englischer Sprache, was vor allem daran liegt, dass die Autoren, deren Werke ich lese, meist aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammen. Schuld daran ist natürlich vor allem, dass ich mich thematisch in Fantasy und Sci-Fi Kreisen bewege, in denen leider wenige gute Deutsche Autoren ihr Unwesen treiben… und niemand soll es wagen, mir hier mit Wolfgang Hohlbein zu kommen, der werte Herr taugt meines Erachtens nach gerade zum GZSZ Drehbuchschreiber, das war es dann aber auch. Der Sprachwahn setzte sich jedoch auch im Kino fort und zeigte sich darin, dass ich fast alle Filme im englischen Original sehen musste. In Berlin und später in Zürich war das gar kein Problem, gab es doch immer mindestens ein großes Kino, was dies anbot. Das ganze ging dann soweit, dass ich unbedingt Nochnoy Dozor im Original sehen wollte, um dann im Kinosaal sitzend, den Mund voller Popcorn, festzustellen, dass es sich um einen Russischen Film handelte… naja wir haben das damals, ganz stolz, durchgesessen, angenehm war es aber nicht.

Der Hauptgrund für all dies war dabei stets, dass ich Filme, wie jedes Kunstwerk (ja, auch Spiderman 3 gehört [leider] dazu), im Original und unverfälscht betrachten wollte. Im Louvre möchte ich auch keinen Filter vor der Mona Lisa hängen sehen oder mein Queen Album mit Deutschen Texten hören. Wobei ich mir grad eine Deutsche Version von Princess of the Universe ziemlich witzig vorstelle. So habe ich also in den vergangenen Jahren sehr viel Literatur und Filmkunst in Englischer Sprache konsumiert.

In letzter Zeit fiel mir nun auf, wie sehr mein eigener Wortschatz darunter gelitten hat. Nicht nur, dass ich mich all zu oft in Englischen Wendungen verstricke und mir unheimliche Denglisch Wortvergewaltigungen rausrutschen, viel schlimmer, immer häufiger fallen mir bestimmte Deutsche Wendungen gar nicht mehr ein. Als ich mich dann kürzlich nach einem Kundengespräch über den soeben erzählten Mist ärgerte, wurde mir klar, dass meine Sprachqualität zunehmend abgenommen hatte. Nun sind daran nicht allein die Englischen Bücher schuld, da ich im Beruf, welcher einen Großteil meines Tages vereinnahmt, fast ausschließlich Englisch spreche, schreibe und lese. Da ich aber von mir selber weiß, dass ich von je her sehr viel aus den Büchern, die ich lese, mitnehme, ist es Zeit hier etwas zu unternehmen.

Auch wenn ich mich weiterhin weigere Deutsche Übersetzungen zu lesen, erinnert sei da nur an die haarsträubende Deutsche Fassung des Herrn der Ringe von Wolfgang Krege, gibt es ja bekanntlich reichlich großartige Deutsche Autoren, die nur darauf warten, ja von mir gelesen zu werden.

Irgendwelche Vorschläge?

The Black Magician Series

In den vergangen Tagen war ich, wie selten zuvor in eine Buchreihe vertieft, die ich nicht mehr aus den Händen legen konnte. Vor wenigen Minuten blätterte ich die letzte Seite des dritten Bandes der “The Black Magician” Trilogie um, unendlich erleichtert, endlich das Ende der Geschichte erreicht zu haben und gleichermaßen traurig darüber.

Solang ich mich erinnern kann, hat mich kein Buch bzw. keine Buchreihe so in ihren Bann gezogen, wie es diese Trilogie von Trudi Canavan vermochte. Mir fehlen die Worte zu beschreiben, warum ich jeden Band förmlich verschlang, die Bücher nicht mehr weglegen konnten, in der letzten Woche fast täglich über 400 Seiten las und sich Angela schon genervt abwandte, wenn ich wieder einmal aufblickte und stotterte “das ist so unglaublich aufregend”.

Prinzipiell folgt die Story dem bekannten Harry Potter Schema: Kind aus unterer Schicht bemerkt magische Fähigkeiten, wird in Oberschicht Lehrinstitut integriert, hat dort Schwierigkeiten, beweist aber am Ende sein können. Das mag erstmal langweilig, trivial und verbraucht klingen, aber wie Terry Pratchett einst in einem Interview, auf die Frage, was er denn von Harry Potter halten würde, sagte: “Geschichten von Kindern die eine Magierschule besuchen gibt es so viele, dass sie bereits ein eigenes Genre der Literatur darstellen.”

Alles weitere möchte ich nicht verraten, außer, dass die gesamte Geschichte wirklich sehr fesselnd ist und keinesfalls nur für Kinder bestimmt (da z.B. Sexualität eine wichtige Rolle im Verlauft der Geschehnisse spielt). Ich habe die Bücher auf englisch gelesen, aber bereits erfahren, dass die deutsche Übersetzung an Spannung nichts vermissen lässt. Unten die Links zu den englischen und deutschen Büchern. Man beachte die grandiose Übersetzung der Buchtitel.

Links:
(1) Trudi Canvan – The Magicians’ Guild
(2) Trudi Canvan – The Novice
(3) Trudi Canvan – The High Lord

(1) Trudi Canvan – Die Rebellin
(2) Trudi Canvan – Die Novizin
(3) Trudi Canvan – Die Meisterin

Die Mäuse-Strategie.

Bisher hat sich mein Lesekonsum in Sachen Mangagement Ratgeber Literatur in Grenzen gehalten, jedoch wurde mir gestern von Angela das Büchlein “Die Mäusestrategie” von Spencer Johnson ans Herz gelegt. Die erzählte Geschichte ist eine Parabel über den Umgang mit und die Anpassung an Veränderungen, versinnbildlicht durch zwei Zwergenmenschn und zwei Mäuse:

Veränderungen nicht als Schicksal hinzunehmen, sondern sie als Chance aktiv zu nutzen. Bei Veränderungen die Entscheidung zu treffen, die unseren Erfolg, unser Fortschreiten, unsere Zufriedenheit bestimmt. Das bedeutet in Beruf, Familienleben und im Freundeskreis vorbereitet und flexibel zu sein, furchtlos, aber bedacht zu handeln.Die Mäusestrategie zeigt mit Witz und Scharfsinn, wer mit Veränderungen umgehen lernt, wird aus ihnen einen enormen Nutzen ziehen können – nur wer regelmässig sein Käsereservoir überprüft, wird immer genug zu essen haben.

Das ganze gibt es hier als Amazon Link, bzw. auch hier als PDF (PS: es sind nur 13 Seiten, daher ruck zuck gelesen.