November 26th, 2009
Lesestoff Empfehlungen
Wenn es draußen November ist und die Tage kürzer werden, erhöht sich die Anziehungskraft des Sofas umgekehrt proportional zur Anzahl der Tageslicht Stunden… will sagen, zu Hause gammeln und lesen scheint mit einem Mal viel attraktiver, als draußen durch Regen und Wind zu stapfen. Auf dem Sofa liegend ergeben sich nun verschiedenste Möglichkeiten des Zeitvertreibs: zum einen wäre da die mutwillige Vernichtung von Gehirnzellen durch Fernsehschauen eines x-beliebigen deutschen Senders (außer arte… aber die sind ja auch halb französisch!). Zweitens bietet sich zum Training der Reflexe und einiger Hirnregionen das Wii Spielen an… wobei ich hier nichts über die Vernichtung von Gehirnzellen zu sagen weiß. Drittens ist jedoch der universellste und beste Zeitvertreib: ein Buch lesen. “Ein was lesen?” höre ich einige fragen, ja genau, das Ding aus Papier, was Euch Eure Eltern immer zu Weihnachten schenken und ihr fälschlicherweise für Regal Dekoration haltet.
Jedenfalls sind Herbst- und Winterzeit traditionell auch meine lesestärksten Monate und ich habe hier einmal zusammen getragen, was ich in den letzten Tagen und Wochen gelesen und teilweise verschlungen habe. Alle samt unbedingt auch als Leseempfehlung zu verstehen, ich schreib ja schließlich nix über schlechte Bücher!
Kill Your Friends von John Niven wurde mir von Thomas ausgeliehen mit dem Hinweis “Was für ein krasses Buch, das musst Du unbedingt lesen!” … womit er Recht behalten sollte. Das Buch lässt sich mit einem Satz zusammenfassen, der auch freundlicher Weise direkt auf dem Buchrücken abgedruckt ist: “Der American Psycho des Musik Business!” Erzählt wird die Story eines A&R Managers eines großen Plattenlabels, der mit den Widrigkeiten seines Alltags (bestehend aus Koks, Frauen und Musik) und unliebsamen Kollegen klar kommen muss. Als er bei der anstehende Beförderung übergangen wird, seine Künstler keinen Erfolg einfahren und die Kohle knapp wird, rastet er komplett aus. Das Buch ist nichts für zart besaitete, jedoch für jeden, der American Psycho verschlungen bzw. den Film vergöttert hat und bei Pulp Fiction auch nach dem 10. Mal noch feiert. Ich habe bei Kill Your Friends mehrfach herzlich gelacht und mich über die Realitätsnähe der Story gefreut. Großes Kino!
Nachdem ich Kill Your Friends verschlungen hatte, habe ich direkt nach weiterem Stoff von John Niven gesucht und bin mit Coma fündig geworden. Coma erzählt die Geschichte zweier Brüder: einer ist ein gewöhnlicher Mittelklasse Typ: Kleines Häuschen, solider Job, Frau, die ihn betrügt, und als einziges Hobby: Golf – dass er leider auch noch sehr schlecht spielt. Bei einem Golfunfall wird er von einem Ball an der Schläfe getroffen und spielt fortan wie ein junger Gott Golf. Einziger Nachteil, der Kurzschluss seiner Synapsen aktivierte nicht nur sein sportliches Talent, sondern sorgte auch für einen Ausbruch des Tourette Syndroms. Der Leser erlebt nun einen begnadeten Golfer, der schlimmer flucht als ein Schwarm Rohrspatzen… ich kann Euch nicht sagen, wie oft ich schallend aufgelacht habe. Nicht nur, dass das Buch mein Vokabular an verfügbaren Flüchen um einige Hundertschaften erweitert hat und mir dabei enormes Wissen zum Thema Golf beschert hat, mich haben die 400 Seiten so sehr gefesselt, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen förmlich inhaliert habe.
Ökonomics kommt zwar inhaltlich aus der gleichen Richtung wie Freakonomics, hat aber wohl nur deshalb einen ähnlich klingenden Titel, um ein entsprechendes Zielpublikum anzuziehen. Im englischen heißt das Buch “The Undercover Economist”, was der ganzen Sache auch etwas näher kommt. Tim Harford, seines Zeichens Kolumnist der amerikanischen Financial Times, erklärt unglaublich gut und verständlich warum es bei Starbucks verschiedene Preismodelle für den eigentlich doch gleichen Kaffee gibt, warum der Kauf von Gebrauchtwagen quasi IMMER ein Verlustgeschäft ist und eigentlich nahezu immer in Betrug endet und wieso chinesische Arbeiter nicht wirklich heimische Arbeitsplätze bedrohen. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich nur ansatzweise für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert und auch gern mal den plakativen Mist, der uns von den klassischen Medien vor die Nase gesetzt werden.
Die Männer vom Meer von Konrad Hansen wurde mir von einem Teammate empfohlen, der darauf verwies, dass jedes Nordlicht, ob hier geboren oder zugezogen, sich mit der Geschichte der Wikinger auskennen müsse. So erzählt das Buch die Geschichte des Björn Hasenscharte, den der Leser als Sklave kennen lernt und ihm dann auf seinen Abenteurn durch Nordeuropa folgt. Dabei lernt man unglaublich viel über die Könige und Helden von damals, ihr Leben und Wirken, die Macht der Wikinger und die Furcht vor Hexen und Priestern. Ein absolut fesselnder Roman, der die Grenzen zwischen geschichtlichen Fakten und Romanerzählung wunderbar zu vermischen weiß. Zudem hat Hansen einen wirklich mitreißenden Schreibstil, der mich das Buch oft nur widerwillig aus der Hand legen ließ.
Bin vollkommen d’accord (schöne Formulierung!), was “Kill your friends” angeht! Vielleicht magst Du dann auch “Macht & Regel” von Faldbakken, find ich hammer!
Verdammt, Schreibfehler. Es heißt “Macht & Rebel”.